Glaubt man den jüngsten Entwicklungen im Web, dann war Einkaufen gestern, Shoppen eigentlich auch und fröhliches Echtzeitfeilschen um Rabatte sowieso noch nie ein großer Tresensport deutscher Konsumenten gewesen. Shopping Communities wie Smatch oder brands4friends setzen auf Onlineaktivität, Kundenexpertise, Pay-Pal-Kaufrausch und Bewertungswahnsinn der registrierten Nutzer. Nicht länger sollen unschlagbare Preise allein im Vordergrund von Kaufentscheidungen stehen, sondern die allseits propagierte Lust am Weiterempfehlen und mit “Freunden drüber quatschen”. Was an sich als Fortsetzung von ebay mit anderen Mitteln verstanden werden kann, besitzt bei einigen Anbietern leider den dezenzt faden Beigeschmack eines Überraschungseies.
Zur Erinnerung: Anfang August schlug die Kinderkommission des Bundestags ein Verbot für Kombinationsprodukte wie das Überraschungsei oder Cornflakes-Packungen mit Spielzeug-Add-On vor, da die Konsumenten nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmittel unterscheiden könnten.
Können im Umkehrschluss die Powershopper nicht mehr zwischen Bewertungsportalen wie dooyoo, Preisvergleichen auf ciao und Online-Shops in klassischer Amazon-Manier unterscheiden? Laufen vielleicht sogar Gefahr, Sachen zu bestellen, die sie eigentlich nur empfehlen wollten?
Sicher nicht, bedürfnisrelevante Kundenansprache im Bereich Online-Shopping geht an der Verzahnung neuer alter 2.0-Technologien nicht vorbei. Die beiden Trends, die sich abzeichnen, weisen dabei allerdings diametrale Ansätze auf. Zum einen der “vom ich zum wir”-Gedanke. Registrieren, Austauschen, über Schuhe reden, Schuhe kaufen, vielleicht noch eine Flickr-Galerie vom Schuhschrank - all das vereinen Communities wie kaboodle, Bunnybot oder RunToShop. Vornehmlich im amerikanischen Ausland, wo ja ohnehin ein etwas unverkrampfterer Umgang mit Formen des Online-Marktings stattfindet. Dort wächst momentan der Online-Markt, um 20 bis 30 Millionen Dollar.
In der anderen Ringecke lauern Unternehmen wie Ecato ode Zlio, die einen eher individuellen Ansatz des Community Shoppings verfolgen. Deren Shop-Angebote docken an bestehende Communities - und den dort vertretenen special interests - an. Der Filmliebhaber kann so an seinen Blog einen DVD-Shop angliedern, der auf Städtereisen spezialisierte Flickr-Nutzer bindet entsprechende Last-Minute-Angebote in seine Galerie ein. So entstehen zwar Shops aufgrund eines gemeinsamen Interesses, ohne jedoch das Shoppen an sich bestimmendes Thema werden zu lassen.
Ob sich dabei auf personaler Ebene auch zwei völlig unterschiedliche Shopping-Typen ausmachen lassen, wird die Entwicklung zeigen. Am Ende verschmilzt in der verlinkten und verfeedeten Netzwelt wahrscheinlich sowieso wieder alles zu einem ganz neuen Modell. Irgendwas in Richtung Customized-Retro-Shopping vielleicht.



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